HomeBlogAllgemeinWas, wenn die Antwort nicht im Außen liegt? Eine Auszeit am Schwarzen Regen, über Selbstliebe, Beziehungen und die Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten

Was, wenn die Antwort nicht im Außen liegt? Eine Auszeit am Schwarzen Regen, über Selbstliebe, Beziehungen und die Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten

Ja, ich habe eine Auszeit genommen.

Nicht, weil etwas nicht funktioniert hat. Nicht, weil ich wegmusste. Sondern weil ich irgendwann wieder dieses Gefühl hatte: Es ist Zeit, mich mal wieder mit mir selbst zu verabreden.

Und genau das habe ich getan.

Im Bayerischen Wald. In der Schnitzmühle. Direkt am Schwarzen Regen.

Ein Ort, der für mich gerade erstaunlich passend ist. Wasser steht für Bewegung. Für Veränderung. Für Transformation.

Und vielleicht auch für Klarheit, weil Wasser nichts festhalten muss. Es fließt.

Und während ich mit dem Kajak auf dem Fluss unterwegs war, meditiert, in mich rein gespürt und vor allem auch einmal nichts getan habe, wurde mir wieder sehr deutlich, dass wir als Menschen immer wieder vor einer Entscheidung stehen.

Vielleicht sogar jeden Tag.

Welchen Weg möchte ich gehen?

Ich nehme gerade gesellschaftlich sehr stark zwei unterschiedliche Wege wahr.

Der eine führt über Stress, Angst, Ablenkung, Konsum und Reizüberflutung. Wir lassen immer mehr von außen auf uns einwirken, verlieren uns in Nachrichten, Meinungen, Bewertungen und Problemen. Wir schauen auf das, was nicht funktioniert. Auf das, was fehlt. Auf das, was uns Angst macht.

Und je mehr wir uns darin verlieren, desto negativer wird unser Blick.

Der andere Weg ist leiser.

Er beginnt mit Ruhe. Mit Klarheit. Mit der Bereitschaft, nach innen zu schauen. Mit bewusstem Leben. Mit echter Verbindung. Mit der Entscheidung, das eigene Leben wieder selbst zu gestalten, anstatt sich ständig vom Außen gestalten zu lassen.

Denn wie ich es schon so oft geschrieben habe:

Es gibt kein Außen, das einfach nur so ist. Wir geben dem Außen Bedeutung.

Und genau deshalb beginnt Veränderung auch immer bei uns.

Vielleicht ist jetzt Selbstliebe dran

Ich glaube, dass wir gerade an einem Punkt sind, an dem wir uns noch einmal sehr ehrlich mit dem Thema Selbstliebe beschäftigen dürfen.

Nicht mit dieser Selbstliebe, die sich gut anhört und schön auf Social Media aussieht.

Sondern mit der ganz praktischen.

Wie gehe ich mit mir um?

Kümmere ich mich um meine Bedürfnisse?

Höre ich mir selbst zu?

Erlaube ich mir Grenzen?

Übernehme ich Verantwortung für mich?

Oder erwarte ich insgeheim, dass jemand anderes das für mich übernimmt?

Denn Selbstliebe gestaltet auch Liebe.

Und vielleicht ist es gerade in Beziehungen an der Zeit, wieder echter zu werden.

Wenn ich einen Partner habe, dann darf ich mich jeden Tag neu für diesen Menschen entscheiden.

Nicht, indem ich alles schönrede.

Sondern indem ich bewusst entscheide, worauf ich meinen Fokus richte.

Sehe ich immer nur das, was fehlt?

Das, was noch nicht so ist, wie ich es mir wünsche?

Die Fehler?

Die Enttäuschungen?

Oder sehe ich auch, was dieser Mensch in mein Leben bringt?

Was er mir gibt?

Was ich an ihm liebe?

Was vielleicht gerade gut ist?

Wir alle machen Fehler. Ich mache Fehler. Du machst Fehler. Und natürlich darf es Dinge geben, die nicht funktionieren. Aber wir entscheiden immer auch mit darüber, welchen Dingen wir Bedeutung geben.

Dem Positiven. Oder dem, was fehlt.

Helfen ist nicht immer Liebe

Etwas anderes beschäftigt mich dabei gerade ebenfalls.

Ich erlebe immer wieder Menschen, die sich sehr stark darüber definieren, für andere da zu sein. Sie helfen, unterstützen, retten, tragen. Und manchmal entsteht daraus fast eine Identität.

„Ich werde gebraucht.“

Das kann sich zunächst sehr gut anfühlen.

Aber ist es wirklich immer Selbstliebe?

Oder brauche ich vielleicht jemanden, dem ich helfen kann, damit ich mich selbst wichtig und gebraucht fühle?

Für mich ist Selbstliebe auch, mich um mich selbst zu kümmern.

Meine Bedürfnisse wahrzunehmen.

Sie ernst zu nehmen.

Und den anderen trotzdem in seiner eigenen Verantwortung zu lassen.

Denn vielleicht ist es sogar viel egoistischer, einen anderen Menschen dafür zu benutzen, meine Bedürfnisse zu erfüllen, weil ich nicht bereit bin, mich selbst um mich zu kümmern.

Mich selbst zu versorgen bedeutet nicht, dass ich niemanden brauche.

Im Gegenteil. Es verändert die Qualität von Verbindung.

Ich begegne dem anderen dann nicht mehr aus einem Mangel heraus, sondern aus einer ganz anderen Freiheit.

Und dann beobachte ich mich selbst

Das alles klingt sehr klar.

Und ja, vieles davon weiß ich.

Aber Wissen allein verändert noch nichts.

Und genau da wird es für mich persönlich gerade spannend.

Ich beobachte mich selbst.

Wann bin ich ein Angstvermeider?

Wann ziehe ich mich zurück?

Wann werde ich bindungsängstlich?

Wo traue ich mich, Dinge wirklich zu benennen?

Beruflich gelingt mir das sehr, sehr gut.

Privat erkenne ich gerade, dass ich in dieser konzentrierten, unsicheren Zeit wieder stärker an meine eigenen Muster komme.

Und vielleicht ist genau das der Sinn solcher Auszeiten.

Nicht, um festzustellen, dass man schon alles verstanden hat.

Sondern um zu erkennen:

Ah. Da bin ich wieder.

Da ist dieses Muster.

Da ist diese Reaktion.

Da ist diese Angst.

Da ist etwas, das ich eigentlich längst kenne.

Und jetzt darf ich entscheiden, ob ich wieder danach handle.

Es gibt nicht die richtigen Menschen

Auch bei diesem Thema lande ich immer wieder bei einer Frage, die wir uns so gerne stellen:

„Habe ich den richtigen Menschen gefunden?“

Ich glaube mittlerweile: Vielleicht gibt es diese „richtigen Menschen“ gar nicht.

Es gibt die Menschen, die uns begegnen.

Und jeder Mensch kann uns etwas über uns selbst zeigen.

Was löst dieser Mensch in mir aus?

Warum triggert mich das?

Warum macht mich das so wütend?

Warum ziehe ich mich zurück?

Warum möchte ich gefallen?

Warum habe ich Angst, verlassen zu werden?

Warum möchte ich den anderen verändern?

Warum fällt es mir so schwer, etwas anzusprechen?

Am Ende führt vieles wieder zu uns selbst zurück.

Und genau darin zeigt sich für mich auch Beziehungsfähigkeit.

Nicht darin, den perfekten Menschen zu finden.

Sondern darin, in den Momenten zu bleiben, in denen Nähe unsere wunden Punkte berührt.

Wenn es unangenehm wird.

Wenn ein altes Muster anspringt.

Wenn ich merke: Ich hänge gerade fest.

Ich bin wieder in einer Sackgasse.

Dann kann ich hinschauen.

Und ich mag an Byron Katies Arbeit besonders diese einfache, aber kraftvolle Frage:

Ist das, was ich gerade denke, wirklich zu 100 Prozent wahr?

Nicht: „Habe ich recht?“

Sondern:

Ist es wirklich wahr?

Und was wäre, wenn ich es einmal anders betrachten würde?

Das bedeutet nicht, dass ich meine Wahrnehmung verleugnen soll.

Es bedeutet, dass ich bereit bin, meine eigene Geschichte zu überprüfen.

Unsere Vergangenheit sitzt mit am Tisch

Unsere alten Verletzungen verschwinden nicht einfach, nur weil wir erwachsen geworden sind.

Sie sitzen manchmal mit uns am Tisch.

In unseren Beziehungen.

In unseren Erwartungen.

In unseren Deutungen.

Und manchmal schauen wir durch eine Brille aus der Vergangenheit auf einen Menschen in der Gegenwart.

Der andere sagt etwas.

Und plötzlich höre ich nicht mehr das, was er tatsächlich sagt.

Ich höre das, was ich früher schon einmal gehört habe.

Ich reagiere nicht mehr auf den Menschen vor mir, sondern auf eine alte Erfahrung.

Und genau deshalb ist es so wichtig, diese eigenen Geschichten zu kennen.

Nicht, um für immer in ihnen zu bleiben.

Sondern um sie zu durchdringen.

Unsere Bedürfnisse wahrzunehmen.

Sie ehrlich zu kommunizieren.

Verantwortung für sie zu übernehmen.

Und immer wieder zu prüfen: Ist das wirklich das, was gerade passiert?

Oder erzählt mir gerade meine Vergangenheit eine Geschichte über meine Gegenwart?

Wo möchte ich meine Zeit verbringen?

Vielleicht gehört auch das zu dieser Auszeit.

Mich wieder daran zu erinnern, wie wichtig es ist, bewusst zu entscheiden, mit wem ich meine Zeit verbringe.

Es gibt diese Faustregel mit den fünf Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen.

Ich glaube, da ist etwas dran.

Menschen beeinflussen uns.

Ihre Haltung.

Ihre Gedanken.

Ihre Sprache.

Ihre Art, auf das Leben zu schauen.

Und es kann unglaublich anstrengend sein, wenn ein Mensch mit sich selbst im Frieden ist und ein anderer diesen Frieden nur schwer aushalten kann.

Vielleicht, weil der eigene innere Frieden sichtbar macht, wo man selbst noch nicht hinschauen möchte.

Auch das darf sein.

Aber auch hier stellt sich wieder die Frage:

Wo möchte ich sein?

Im Außen?

In der Ablenkung?

In der Angst?

Im Konsum?

Im ständigen Bewerten?

Oder möchte ich wieder mehr bei mir ankommen?

Zurück zu mir

Meine Auszeit im Bayerischen Wald war deshalb für mich keine Flucht.

Sie war eine Rückkehr.

Eine Rückkehr zu mir.

Zu Ruhe.

Zu Klarheit.

Zu dem, was wirklich wichtig ist.

Und vielleicht ist genau das gerade meine größte Erkenntnis:

Wir wissen oft sehr genau, was wir wissen.

Aber das Entscheidende ist nicht das Wissen.

Das Entscheidende ist das Tun.

Es wirklich zu leben.

Mich selbst ernst zu nehmen.

Meine Bedürfnisse wahrzunehmen.

Grenzen zu setzen.

Mich zu zeigen.

Dinge anzusprechen, auch wenn sie unbequem sind.

Nicht immer wieder im Außen nach den richtigen Menschen, den richtigen Umständen oder der richtigen Antwort zu suchen.

Sondern mich selbst zu fragen:

Wer möchte ich sein?

Und vielleicht ist die Frage in einer Beziehung auch gar nicht:

Habe ich den richtigen Menschen gefunden?

Sondern:

Bin ich selbst der Mensch, den ich mir in einer Beziehung wünsche?

Vielleicht beginnt genau dort echte Verbindung.

Mit mir.

Und dann mit dem anderen.

Direkt am Schwarzen Regen ist mir wieder einmal bewusst geworden:

Veränderung muss nicht laut sein.

Manchmal beginnt sie ganz leise.

Mit einer Auszeit.

Mit einem Moment der Ruhe.

Und mit einer Verabredung mit sich selbst.

 

Kunden lesen mein Buch

Wenn ich ein Buch in den Händen habe, verschlinge ich es regelrecht in kürzester Zeit, überfliege es oft. Bei diesem war es anders. Ich hab verhältnismäßig lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Einfach deshalb, weil ich viele Sätze 2 bis 3 mal durchgelesen habe, um es auf mich wirken zu lassen. Daniela schafft es durch ihre ehrliche und authentische Schreibweise, das Erzählen ihrer eigenen Geschichte (ohne dabei die Schattenseiten auszulassen) sehr schnell eine Verbindung zum Leser aufzubauen.
Mittlerweile war ich 2 mal mit Daniela auf der Altmühl und bin jedes mal mit neuem Input und sehr gelöst heimgefahren.
Sie ermutigt jeden, mehr Achtsamkeit und „Herzehrlichkeit“ in das eigene Leben zu lassen.
Ich werde sicherlich noch öfter die einzelnen Kapitel des Buches lesen.

Sarrazin Coaching
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