„Ich liebe dich“ sind wunderschöne Worte. Und natürlich ist Liebe wichtig.
Aber aus meiner eigenen Geschichte weiß ich auch, wie schmerzhaft es sein kann,
wenn man jahrelang funktioniert, Konflikte wegpackt, eigene Bedürfnisse klein
macht und sich gleichzeitig immer wieder sagt:
Aber wir lieben uns ja.
Erst später habe ich verstanden, dass wir eine entscheidende Frage gar nicht gestellt hatten:
Wie tun wir es?
Wie wollen wir unsere Beziehung gestalten?
Wie darf Nähe stattfinden?
Wann wird Nähe zu eng?
Wann sind wir zu weit voneinander entfernt?
Was machen wir bei Entscheidungen, wenn wir nicht derselben Meinung sind?
Und noch viel wichtiger:
Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten?
In meiner Arbeit mit Paaren erlebe ich immer wieder, dass wir nicht gelernt haben,
wie zwei Erwachsene ein eigenes Wie entwickeln.
Wie können wir gemeinsam etwas gestalten, wenn doch jeder von uns seine
eigene Geschichte mitbringt?
Wir haben Vergangenheit.
Wir haben Erfahrungen gemacht.
Wir haben Verletzungen erlebt und manchmal auch nicht aufgearbeitet.
Und dann bringen wir all das mit in die Beziehung.
Da ist ganz viel Liebe.
Und trotzdem erkennen wir uns im Miteinander manchmal kaum.
Wir sehen nicht mehr den Menschen vor uns, sondern immer auch
unsere eigene Geschichte im anderen.
Deshalb sind für mich Fragen wie diese so wichtig:
Wie gehen wir mit Enttäuschung um?
Wie leben wir damit, dass wir unterschiedliche Bedürfnisse haben?
Wie sagen wir einander, dass wir Nähe brauchen – oder gerade mehr Abstand?
Wie treffen wir Entscheidungen, wenn wir nicht derselben Meinung sind?
Wie streiten wir miteinander?
Und wie reparieren wir Verletzungen, damit wir wieder zueinanderfinden?
Denn vielleicht geht es in einem Konflikt gar nicht zuerst darum, wer Recht hat.
Vielleicht geht es darum, den Blick weg vom Inhalt des Konfliktes zu bekommen
und hin zu dem, was gerade zwischen uns passiert.
Wie gehen wir gerade miteinander um?
Was passiert mit uns?
Und was brauchen wir, um wieder miteinander in Verbindung zu kommen?
Für mich bedeutet Beziehung deshalb nicht, dass zwei Menschen möglichst gleich werden.
Sondern dass zwei unterschiedliche Menschen lernen, miteinander zu sein.
Eine gemeinsame Klammer zu entwickeln.
Ein gemeinsames Ziel.
Und vor allem ein eigenes Wie.
Denn „Ich liebe dich“ ist eine wichtige Aussage.
Aber vielleicht ist die viel entscheidendere Frage:
Wie wollen wir miteinander leben?