Manchmal frage ich mich, warum wir so viel festhalten.
Wir sammeln Dinge. Jahr für Jahr. Wir richten Häuser ein und füllen sie immer weiter. Mit Erinnerungen. Mit Geschichten. Mit Dingen, die irgendwann einmal wichtig waren.
Irgendwann habe ich mich gefragt, ob wir all das besitzen.
Oder ob es längst uns besitzt.
Denn alles, was wir festhalten, hält auch uns fest.
Nicht nur die Dinge.
Auch unsere Gedanken. Unsere Überzeugungen. Unsere Bilder von uns selbst. Unsere Bilder von anderen Menschen.
Unsere Vergangenheit sitzt oft mit am Tisch, obwohl wir glauben, im Heute zu leben.
Dabei leben wir in einer Zeit, in der sich alles verändert.
Vielleicht ist das gar nicht die eigentliche Herausforderung.
Vielleicht ist die größere Herausforderung, uns selbst zu erlauben, uns zu verändern.
Wer bin ich, wenn ich nicht mehr an dem festhalte, was einmal war?
Wer bist du, wenn ich dich nicht mehr durch die Erfahrungen der letzten Jahre anschaue?
Wenn wir einen Menschen kennenlernen, sehen wir ihn.
Mit offenen Augen. Mit Neugier.
Doch irgendwann glauben wir zu wissen, wer er ist.
Und vielleicht hören wir genau in diesem Moment auf, ihn wirklich zu sehen.
Wie oft geschieht uns das in unseren Beziehungen?
Und wie oft geschieht es mit uns selbst?
Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, immer mehr zu besitzen.
Vielleicht geht es darum, wieder sehen zu lernen.
Ohne die Brille der Vergangenheit.
Mit der Bereitschaft, dass jeder Mensch – auch wir selbst – heute jemand anderes sein darf als gestern.
Vielleicht beginnt genau dort Freiheit.