HomeBlogAllgemeinNicht zu Gast im Leben des anderen – Wie wir eine lebendige, herzehrliche Liebe erschaffen

Nicht zu Gast im Leben des anderen – Wie wir eine lebendige, herzehrliche Liebe erschaffen

Was macht ein lebendiges Leben aus?

Vielleicht ist es nicht die Abwesenheit von Schmerz. Nicht die Perfektion. Nicht das Erreichen eines Zustandes, in dem endlich alles geheilt, aufgeräumt und sicher ist.

Vielleicht ist Lebendigkeit etwas ganz anderes.

Vielleicht bedeutet Lebendigkeit, trotz aller Erfahrungen, trotz aller Verletzungen und trotz der Endlichkeit des Lebens immer

wieder bereit zu sein, sich berühren zu lassen. Sich überraschen zu lassen. Neu zu beginnen.

Ich frage mich oft, wie ein wirklich buntes und herzerfülltes Leben aussieht. Ein Leben, das nicht ständig von Angst geprägt ist.

Nicht von der Angst vor Verlust, vor Enttäuschung oder vor dem Tod. Ein Leben, das sich nicht bereits innerlich verabschiedet hat, bevor es überhaupt gelebt wurde.

Denn manchmal habe ich das Gefühl, viele Menschen sind zwar körperlich anwesend, haben sich aber längst aus dem Leben zurückgezogen.

Sie trauern um Möglichkeiten, die nie gelebt wurden. Sie schützen sich vor Verletzungen und verschließen damit gleichzeitig die Tür für neue Erfahrungen.

Doch Lebendigkeit beginnt dort, wo wir bereit sind, wieder einzutauchen.

Wie ein Sprung ins kalte Wasser.

Ungewiss. Mutig. Wach.

Wenn zwei Menschen sich begegnen

Besonders deutlich wird diese Frage für mich in Beziehungen.

Nicht in langjährigen Partnerschaften, die bereits bestehen, sondern in dem Moment, wenn zwei Menschen einander begegnen.

Zwei Menschen mit Geschichte.

Zwei Menschen mit Erfahrungen.

Zwei Menschen mit Verletzungen.

Zwei Menschen, die bereits ein Leben hinter sich haben.

Wie gelingt es dann, nicht einfach Gast im Leben des anderen zu werden?

Wie gelingt es, gemeinsam etwas Neues zu erschaffen?

Etwas, das nicht bloß die Fortsetzung alter Geschichten ist.

Etwas, das nicht aus Gewohnheiten, Anpassungen und Überlebensstrategien besteht.

Etwas, das wirklich neu ist.

Ich habe in den vergangenen Jahren unzählige Erfahrungen gemacht. An vielen Orten dieser Welt. Ich war auf der Suche nach Heilung.

So sehr, dass ich zeitweise das Gefühl hatte, in eine Art spirituelles Burnout zu geraten.

Immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage:

Wie kann Beziehung gelingen, wenn Menschen die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle, Muster und Wunden nicht übernehmen?

Für mich ist jeder Mensch, der mir begegnet, ein Spiegel.

Nicht, weil er für mein Leben verantwortlich wäre.

Sondern weil Begegnungen sichtbar machen, was in mir noch gesehen werden möchte.

Wenn ich das Gefühl habe, in einer Beziehung lediglich Gast zu sein, frage ich mich deshalb gleichzeitig:

Wo bin ich noch Gast in meinem eigenen Leben?

Wo habe ich meine Gestaltungskraft abgegeben?

Wo halte ich an etwas fest, das längst gehen möchte?

Die Liebe, die wir gelernt haben

Viele von uns wurden geprägt von Generationen, die lernen mussten zu funktionieren.

Unsere Eltern und Großeltern haben meist ihr Bestes gegeben.

Doch sie waren selbst Teil von Systemen, die durch Krieg, Verlust und Unsicherheit entstanden sind.

Anpassung war überlebenswichtig.

Gefühle zurückzuhalten war sinnvoll.

Verletzlichkeit zu zeigen konnte gefährlich sein.

So entstanden Strategien.

Masken.

Schutzmechanismen.

Viele von uns haben Dinge für Liebe gehalten, die in Wahrheit Überlebensstrategien waren.

Anpassung.

Aufopferung.

Abhängigkeit.

Kontrolle.

Das Bedürfnis, vom anderen etwas zu bekommen, das wir uns selbst nicht geben können.

Doch ist das wirklich Liebe?

Oder ist es die Hoffnung, durch den anderen endlich vollständig zu werden?

Selbstfürsorge ist kein Egoismus

Eine Beobachtung beschäftigt mich immer wieder:

Viele Menschen kümmern sich hingebungsvoll um andere, aber kaum um sich selbst.

Sie überschreiten ihre Grenzen.

Sie ignorieren ihre Bedürfnisse.

Sie verlassen sich selbst.

Und gleichzeitig empfinden sie es als bedrohlich, wenn jemand beginnt, gut für sich zu sorgen.

Dann fällt schnell das Wort Egoismus.

Doch wie kann es egoistisch sein, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen?

Wie kann es egoistisch sein, die eigenen Grenzen zu achten?

Wie kann es egoistisch sein, sich selbst das zu geben, wonach man sich sehnt?

Egoismus bedeutet, andere Menschen für die eigenen Bedürfnisse zu benutzen.

Selbstfürsorge bedeutet, Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Wenn zwei Menschen für sich selbst sorgen können, entsteht etwas Besonderes:

Sie brauchen einander nicht.

Sie haben einander.

Und genau dort beginnt vielleicht die Freiheit der Liebe.

Den anderen wirklich sehen

Wenn ich den anderen brauche, sehe ich ihn dann überhaupt?

Oder sehe ich nur das, was er für mich erfüllen soll?

Sehe ich seine Einzigartigkeit?

Seine Wahrheit?

Seinen Weg?

Oder sehe ich lediglich meine Erwartungen, Wünsche und Projektionen?

Alles, was ich über den anderen denke, erzählt zunächst etwas über mich.

Über meine Erfahrungen.

Meine Ängste.

Meine Sehnsüchte.

Meine Geschichte.

Vielleicht beginnt echte Begegnung genau dort, wo wir bereit sind, diese Projektionen zu erkennen und loszulassen.

Wo wir aufhören, den anderen zu benutzen, um unsere Vergangenheit zu reparieren.

Und anfangen, ihm wirklich zuzuhören.

Eine absichtslose Liebe

Mich beschäftigt die Frage, ob absichtslose Liebe überhaupt möglich ist.

Eine Liebe, in der beide Menschen einander wohlgesonnen sind.

Eine Liebe, die nicht besitzen möchte.

Nicht kontrollieren möchte.

Nicht verändern möchte.

Eine Liebe, die Wachstum ermöglicht.

Eine Liebe, die den anderen nicht kleiner macht, sondern größer.

Eine Liebe, die etwas Neues in die Welt bringt.

Nicht aus Mangel.

Nicht aus Angst.

Nicht aus Gewohnheit.

Sondern aus Präsenz.

Aus Bewusstheit.

Aus einem tiefen Ja zum Leben.

Vielleicht bedeutet das auch, alles auszusprechen, was ausgesprochen werden möchte.

Sich nicht länger hinter Schweigen zu verstecken.

Nicht aus Angst zurückzuhalten.

Sondern den Mut zu haben, die eigene Wahrheit liebevoll mitzuteilen.

Nicht um Recht zu haben.

Nicht um den anderen zu verändern.

Sondern um sichtbar zu sein.

Die Zukunft nicht aus der Vergangenheit erschaffen

Am Ende bleibt für mich eine zentrale Frage:

Wie gelingt es, etwas zu erschaffen, das es bisher noch nicht gegeben hat?

Wie gelingt es, die Zukunft nicht länger aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus zu gestalten?

Wie gelingt es, hier und heute einen Raum zu öffnen für etwas Neues?

Etwas Lebendiges.

Etwas Buntes.

Etwas Herzliches.

Vielleicht beginnt es damit, dass wir aufhören, unser Leben ausschließlich durch die Brille alter Erfahrungen zu betrachten.

Dass wir den Mut finden, Bekanntes loszulassen.

Dass wir uns erlauben, überrascht zu werden.

Vom Leben.

Von der Liebe.

Von uns selbst.

Denn vielleicht wartet das lebendigste Kapitel unseres Lebens nicht irgendwo in der Zukunft.

Vielleicht wartet es genau hier.

In dem Moment, in dem wir bereit sind, nicht länger Gast zu sein – weder im Leben eines anderen noch im eigenen.

Kunden lesen mein Buch

Wenn ich ein Buch in den Händen habe, verschlinge ich es regelrecht in kürzester Zeit, überfliege es oft. Bei diesem war es anders. Ich hab verhältnismäßig lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Einfach deshalb, weil ich viele Sätze 2 bis 3 mal durchgelesen habe, um es auf mich wirken zu lassen. Daniela schafft es durch ihre ehrliche und authentische Schreibweise, das Erzählen ihrer eigenen Geschichte (ohne dabei die Schattenseiten auszulassen) sehr schnell eine Verbindung zum Leser aufzubauen.
Mittlerweile war ich 2 mal mit Daniela auf der Altmühl und bin jedes mal mit neuem Input und sehr gelöst heimgefahren.
Sie ermutigt jeden, mehr Achtsamkeit und „Herzehrlichkeit“ in das eigene Leben zu lassen.
Ich werde sicherlich noch öfter die einzelnen Kapitel des Buches lesen.

Sarrazin Coaching
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