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Veränderung findet dann statt, wenn das Alte nicht mehr funktioniert oder das Neue so interessant ist, dass wir bereit sind, uns darauf einzulassen.

Dieser Gedanke beschäftigt mich gerade sehr, vor allem dann, wenn ich auf das schaue,

was in unserer Gesellschaft und in vielen Unternehmen passiert, und wenn ich versuche,

das Ganze auch durch meine traumasensible Brille zu betrachten.

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass wir gerade an einem Punkt stehen, an dem etwas wegbricht,

das uns über viele Jahrzehnte Sicherheit gegeben hat. Und damit meine ich nicht nur wirtschaftliche Sicherheit,

sondern auch die Überzeugungen, auf denen wir unser Leben aufgebaut haben.

Für mich gehört dazu ganz wesentlich die Gleichsetzung von Geld und Sicherheit.

Wenn ich auf unsere Geschichte schaue, dann ist das auch absolut nachvollziehbar.

Nach zwei Weltkriegen ging es darum, wieder etwas aufzubauen, Stabilität zu schaffen,

ein Dach über dem Kopf zu haben und dafür zu sorgen, dass es den eigenen Kindern einmal besser geht.

Arbeit, Leistung, Fleiß und Anpassung waren dafür wichtige Voraussetzungen, und ich glaube,

dass wir heute oft unterschätzen, wie sehr uns diese Erfahrungen bis heute prägen.

Viele von uns sind mit Sätzen groß geworden wie „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“,

„Stell dich nicht so an“, „Was sollen denn die anderen denken?“ oder „Du musst dich eben noch ein bisschen mehr anstrengen“.

Und wenn ich ehrlich bin, dann glaube ich, dass diese Sätze in vielen von uns noch immer

ziemlich lebendig sind, auch wenn wir längst erwachsen sind und unser Leben eigentlich selbst gestalten könnten.

Wir haben gelernt, uns über Leistung zu definieren, uns anzupassen, möglichst wenig

unangenehm aufzufallen und die eigenen Bedürfnisse auch mal hintenanzustellen, weil es

schließlich Wichtigeres gibt.

Was wir dabei häufig nicht gelernt haben, ist, wirklich wahrzunehmen, wie es uns eigentlich geht,

was wir fühlen, wovor wir Angst haben und was wir brauchen.

Körperlich krank zu sein war irgendwann gesellschaftlich akzeptiert. Aber über Ängste, Überforderung,

innere Unsicherheit oder das Gefühl, nicht gut genug zu sein, zu sprechen, war und ist für viele Menschen

immer noch schwierig.

Mit meinem traumasensiblen Blick sehe ich darin vor allem Schutzstrategien, die einmal einen guten Grund hatten.

Denn wer in Zeiten von Krieg, Bedrohung und existenzieller Unsicherheit möglichst wenig aufgefallen ist,

wer sich angepasst und funktioniert hat, konnte damit unter Umständen sein Überleben sichern.

Und solche Erfahrungen verschwinden nicht einfach, nur weil der Krieg vorbei ist. Sie können sich über Erziehung,

über unausgesprochene Regeln und über das, was in Familien vorgelebt wird, an die nächsten Generationen weitergeben.

Ich finde es deshalb spannend, heute auf unsere Arbeitswelt zu schauen und mich zu fragen, wie viel von dem,

was wir dort erleben, eigentlich noch mit diesen alten Schutzstrategien zu tun hat.

Wie oft halten wir an etwas fest, obwohl wir längst spüren, dass es nicht mehr funktioniert?

Wie oft versuchen wir, Unsicherheit durch noch mehr Leistung, noch mehr Kontrolle oder

noch mehr Anpassung auszugleichen? Und wie schwer fällt es uns, offen auszusprechen,

dass wir gerade Angst haben oder schlicht nicht wissen, wie es weitergeht?

Gerade jetzt, wo Unternehmen unter Druck geraten, Arbeitsplätze verloren gehen und vieles von dem, was lange selbstverständlich war, nicht mehr selbstverständlich ist, erlebe ich eine große Verunsicherung.

Und ich glaube, dass diese Unsicherheit bei vielen Menschen sehr viel tiefer geht als die konkrete Sorge um den Arbeitsplatz oder das Einkommen.

Wenn ich mein Leben lang gelernt habe, dass Geld, Leistung und ein sicherer

Arbeitsplatz mir Stabilität geben, was passiert dann mit mir, wenn genau diese

Dinge plötzlich nicht mehr sicher sind?

Dann komme ich möglicherweise an einen Punkt, an dem ich mich mit einer Frage beschäftigen muss,

die ich mir bisher gar nicht stellen musste: Wo finde ich eigentlich Sicherheit, wenn ich sie im Außen nicht mehr finde?

Mir ist bewusst, dass sich das für manche erst einmal seltsam anhören mag, gerade wenn die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht ist. Natürlich brauchen Menschen Geld, ein Zuhause und eine verlässliche Lebensgrundlage,

und ich möchte das überhaupt nicht kleinreden.

Aber ich glaube eben auch, dass wir lernen dürfen, neben dieser äußeren Sicherheit eine innere

Sicherheit zu entwickeln, die uns hilft, mit Unsicherheit umzugehen, ohne uns dabei selbst zu verlieren.

Und genau da wird es für mich interessant.

Denn dafür müssen wir wieder anfangen, uns selbst wahrzunehmen, unsere Gefühle ernst zu nehmen

und vor allem auch auszusprechen, was gerade da ist.

Ich erlebe immer wieder, wie viel sich verändert, wenn ein Mensch den Mut hat, einfach zu sagen:

„Ich habe gerade Angst“, „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“ oder „Das überfordert mich im Moment“.

Nicht, weil damit sofort eine Lösung entsteht, sondern weil etwas ausgesprochen wird,

das vorher vielleicht alle gespürt haben, über das aber niemand sprechen wollte.

Und plötzlich bekommt auch das Gegenüber die Möglichkeit, sich zu zeigen.

Für mich ist das ein ganz wesentlicher Schlüssel, gerade auch in der Führung.

Ich glaube nicht, dass wir in diesen Zeiten Führungskräfte brauchen, die immer schon wissen,

wie alles weitergeht, oder die versuchen, mit noch mehr Druck und noch mehr Durchhalteparolen

Sicherheit herzustellen.

Ich glaube, wir brauchen Menschen, die auch dann präsent bleiben können, wenn sie selbst noch keine

Antwort haben, die Unsicherheit ansprechen können, ohne darin unterzugehen, und die bereit sind,

gemeinsam mit anderen herauszufinden, was jetzt der nächste sinnvolle Schritt sein könnte.

Vielleicht beginnt das mit ganz einfachen Fragen: Wo stehen wir eigentlich gerade miteinander?

Wie geht es uns mit dem, was da passiert? Was brauchen wir jetzt voneinander?

Und wie können wir gemeinsam weitergehen, auch wenn wir das Ziel noch gar nicht genau kennen?

Was mich an der aktuellen Entwicklung besonders beschäftigt, ist dieser Zwischenraum,

in dem wir uns gerade an vielen Stellen befinden.

Das Alte funktioniert nicht mehr richtig, aber das Neue ist noch nicht da. Wir können nicht einfach zurück,

wissen aber auch noch nicht, wie es nach vorne weitergeht.

Und genau diesen Zustand auszuhalten, ohne sofort wieder in alte Muster von Kontrolle,

Anpassung und Funktionieren zu fallen, halte ich für eine unserer größten Herausforderungen.

Vielleicht liegt darin aber auch eine Chance, die wir bisher noch gar nicht richtig sehen.

Dass wir anfangen, Sicherheit anders zu verstehen. Dass wir erkennen, wie viel von unserem Verhalten

aus alten Erfahrungen und übernommenen Überzeugungen entsteht. Und dass wir uns erlauben,

manches davon zu hinterfragen, ohne die Lebensleistung der Generationen vor uns abzuwerten.

Ich habe großen Respekt vor dem, was diese Generationen geleistet haben. Gleichzeitig glaube ich,

dass wir nicht alles weitertragen müssen, was ihnen einmal geholfen hat, zu überleben.

Vielleicht dürfen wir heute lernen, dass wir nicht ständig leisten, funktionieren

und uns anpassen müssen, um wertvoll zu sein und dazuzugehören.

Und vielleicht braucht es genau dafür in unserer Gesellschaft und in unseren Unternehmen

wieder mehr Menschlichkeit, mehr echtes Interesse am Gegenüber und mehr Mut, auch über das

zu sprechen, was unbequem ist.

Denn Veränderung beginnt für mich nicht erst dann, wenn wir neue Strukturen geschaffen oder

neue Strategien entwickelt haben.

Sie beginnt auch dort, wo wir bereit sind, uns selbst und einander ehrlich zu begegnen.

Und ich frage mich, ob nicht genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten sein wird, die wir in den

kommenden Jahren brauchen.

 

 

Kunden lesen mein Buch

Wenn ich ein Buch in den Händen habe, verschlinge ich es regelrecht in kürzester Zeit, überfliege es oft. Bei diesem war es anders. Ich hab verhältnismäßig lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Einfach deshalb, weil ich viele Sätze 2 bis 3 mal durchgelesen habe, um es auf mich wirken zu lassen. Daniela schafft es durch ihre ehrliche und authentische Schreibweise, das Erzählen ihrer eigenen Geschichte (ohne dabei die Schattenseiten auszulassen) sehr schnell eine Verbindung zum Leser aufzubauen.
Mittlerweile war ich 2 mal mit Daniela auf der Altmühl und bin jedes mal mit neuem Input und sehr gelöst heimgefahren.
Sie ermutigt jeden, mehr Achtsamkeit und „Herzehrlichkeit“ in das eigene Leben zu lassen.
Ich werde sicherlich noch öfter die einzelnen Kapitel des Buches lesen.

Sarrazin Coaching
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