Heute Morgen sitze ich über meinem Booklet für „Ausbilder als Coach – Modul 2“ und bin dabei tatsächlich über zwei Bücher aus dem BusinessVillage Verlag gestolpert. Eines beschäftigt sich mit der Generation Z und ein weiteres mit der Generation Alpha. Und beide sind mir sofort ins Auge gestochen. Ich dachte: Die muss ich mir unbedingt bestellen. Warum? Weil mich wieder einmal die Frage, was eigentlich gerade in unserem Miteinander passiert, beschäftigt.
Ich entdecke für mich immer mehr, dass es nicht nur diese Begegnungsräume gibt, die ich bislang über das Feuer und die Natur gestalte. Auch wenn das für mich nach wie vor etwas ganz Besonderes ist und uns erdet sowie miteinander verbindet. Und weil es vielleicht tatsächlich etwas ist, das uns als Menschen in die Wiege gelegt wurde: einander zu begegnen.
Doch warum stelle ich mir ausgerechnet heute Morgen diese Frage? Weil ich gestern wieder ein Teamtraining am Adventure Campus in Treuchtlingen begleiten durfte, an dem ich inzwischen auch einen Lehrauftrag zur Reflexionstechnik ausüben darf.
Und genau darum geht es dort für mich am Campus: Erleben und Fühlen in der Praxis und jenes, was draußen passiert, in die Unternehmenswelt zu bringen.
Ich erlebe dort viele Führungskräfte. Menschen, die in ihren 40ern oder 50ern sind, manchmal auch in ihren 60ern. Menschen, die in meinen Führungskräftetrainings sitzen oder jetzt in „Ausbilder als Coach“ kommen und sich wirklich fragen:
Wie kann ich diesen jungen Menschen eigentlich begegnen?
Und ich glaube, dass wir genau da bei einem Thema landen, das uns noch sehr lange beschäftigen wird:
„Management von Vielfalt.“
Aber je tiefer wir in dieses Thema einsteigen, desto mehr kommen wir auch an unsere eigenen Strukturen und Muster.
Und dann höre ich immer wieder diesen Satz: „Unsere Eltern hatten damals doch auch schon Schwierigkeiten mit unserer Generation.“ Und ja, jede Generation hat ihre „Specialeffekte“ und „Herausforderungen ihrer Zeit“.
Aber ich glaube trotzdem, dass wir gerade einen ziemlich großen Paradigmenwechsel erleben.
Und ich bin mir sicher, dass dieser nicht erst gestern begonnen hat.
Meine Generation hat, zumindest erlebe ich es so, Arbeit lange über das Leben gestellt.
Für uns galt vermeintlich: Leistung, Durchhalten, Verantwortung übernehmen, etwas aufbauen.
Und irgendwann kommt dann vielleicht, bedingt durch Lebensumbrüche, die Persönlichkeitsentwicklung hinzu.
Wir fangen an, uns selbst zu hinterfragen.
Ich kenne das von mir selbst sehr gut, denn ich habe mich in meinem Leben immer wieder gefragt:
Bin ich eigentlich noch richtig mit dem, was ich da tue?
Ich habe mich immer wieder neu erfunden. Habe mich ausprobiert.
Bin neugierig geblieben auf das Leben und auf Menschen.
Und irgendwann hat sich etwas verändert. Das Leben wurde wichtiger als die Arbeit.
Ich bin unfassbar dankbar, heute sagen zu können: Ich mache etwas, das mich wirklich erfüllt.
Etwas, das mich morgens aufstehen lässt mit Liebe und Freude und mit dem Wunsch,
vielleicht etwas im Leben zu bewirken.
Ob ich tatsächlich etwas bewirken werde? Das bleibt dahingestellt.
Vielleicht stelle ich irgendwann fest, dass ich gar nichts bewirkt habe. Und auch das darf sein.
Denn inzwischen geht es für mich gar nicht mehr so sehr darum, unbedingt etwas bewirken zu müssen.
Es geht vielmehr darum, wie ich auf mich selbst schaue und wie ich mit dem Leben und den Menschen darin umgehe.
Und was ich gerade beobachte ist, dass die nächsten Generationen diese Frage sehr viel früher stellen.
Sie stellen das Leben über die Arbeit. Und genau das fordert viele Führungskräfte gerade unglaublich heraus.
Weil sie dadurch vielleicht zum ersten Mal wirklich merken: Ich muss da auch auf mich selbst schauen.
Und vielleicht darf genau darüber ein Dialog entstehen.
Ich glaube nämlich, dass Methoden und Hierarchien allein irgendwann nicht mehr ausreichen.
Vielleicht dürfen wir als Führungskräfte einen Schritt zurücktreten. Nicht, weil Führung nicht mehr wichtig ist.
Sondern weil es darum geht, Räume zu schaffen.
Räume, in denen Menschen miteinander in Austausch kommen, Unterschiedlichkeit sein darf und in denen absichtslos miteinander gesprochen wird. Denn nur so entstehen Räume, in denen vielleicht sogar alles gleichzeitig da sein darf.
Und ich glaube, genau darin liegt gerade eine unserer größten Herausforderungen, und zwar nicht nur in den Unternehmen, sondern vor allen Dingen in unserer Gesellschaft.
Unser Gehirn wird vor die Aufgabe gestellt, nicht alles kontrollieren und schon wissen zu wollen.
Sondern auszuhalten, dass Entwicklung passiert.
Auch meine Ausbildung entwickelt sich mit den Menschen, die in diese Ausbildung kommen.
Natürlich habe ich durch die Zertifizierung bestimmte Rahmenbedingungen.
Und natürlich gibt es Dinge, die erfüllt werden müssen.
Aber innerhalb dieses Rahmens frage ich mich immer wieder:
Was ist gerade dran? Was wird gebraucht?
Was bringen die Menschen mit, die gerade vor mir sitzen?
Und wie können wir das alles miteinander verbinden?
Wie können wir einen gelungenen und gleichzeitig zertifizierbaren Kompromiss finden?
Ich glaube, genau das ist für mich ein Teil meiner Arbeit geworden.
Nicht fertige Antworten zu liefern.
Sondern Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre eigenen Antworten finden können.
Und vielleicht ist genau das gerade das, was wir in Führung wieder viel stärker brauchen:
Begegnung, Dialog, Neugier, und den Mut, nicht immer schon wissen zu müssen, was am Ende dabei herauskommt.
Und deshalb bin ich tatsächlich sehr gespannt auf meine nächsten Module.
Denn ich habe das Gefühl:
Diese Ausbildung schreibt sich ein Stück weit mit den Menschen, die in sie hineinkommen.
Und genau das mag ich.