Diese Frage habe ich mir gestern tatsächlich wieder gestellt, als ich nach langer Zeit einmal wieder
in einem meiner absoluten Lieblings-Biomärkte war, der leider überhaupt nicht auf meinem normalen
Transferweg liegt und den ich deshalb viel zu selten besuche.
Und jedes Mal, wenn ich dort bin, fällt mir wieder auf, wie viel Liebe in diesen kleinen Läden steckt,
wie viel Persönlichkeit und Überzeugung hinter den Menschen steht, die solche Geschäfte betreiben,
und mit wie viel Liebe zum Detail und einem ganz eigenen Wertesystem dort Lebensmittel ausgesucht,
präsentiert und verkauft werden.
Ich finde das unglaublich wertvoll, gerade weil ich weiß, wie sehr viele dieser kleinen Läden inzwischen
zu kämpfen haben.
Und während ich dort so stand, habe ich wieder darüber nachgedacht,
wie selbstverständlich es für uns eigentlich ist, Geld für den Kraftstoff unseres Autos auszugeben.
Der Kraftstoff ist teuer, teilweise sehr teuer, und trotzdem wissen wir, dass wir ihn brauchen,
damit unser Auto fährt, damit wir zur Arbeit kommen, unsere Kinder irgendwohin
bringen oder einfach mobil bleiben können.
Aber wie selbstverständlich ist es für uns eigentlich, Geld für den Kraftstoff unseres
eigenen Körpers auszugeben?
Wir beschäftigen uns mit Verbrauch, Leistung und Qualität bei unseren Autos und schauen
gleichzeitig bei Lebensmitteln sehr häufig zuerst auf den Preis und verlieren dabei vielleicht
ein Stück weit aus dem Blick, dass das, was wir täglich essen, eben nicht nur unseren Hunger
stillen, sondern unseren Körper auch mit Nährstoffen, Vitaminen, Ballaststoffen und Energie versorgen soll.
Und ich möchte daraus jetzt überhaupt keine Diskussion über Bio-Siegel machen, weil ich selbst
weiß, wie kompliziert und teilweise unübersichtlich dieser ganze Dschungel inzwischen geworden
ist und ich auch verstehen kann, wenn Menschen irgendwann sagen: Ich weiß gar nicht mehr,
welchem Siegel ich eigentlich vertrauen kann.
Ich spreche vielmehr von den Bio-Pionieren, von Demeter, Bioland und all den Menschen,
die schon vor vielen Jahrzehnten angefangen haben, sich sehr grundsätzlich mit der Frage
auseinanderzusetzen, wie Lebensmittel produziert werden und welchen Wert wir dieser
Produktion geben wollen.
Vielleicht liegt mir dieses Thema auch deshalb so sehr am Herzen, weil ich als Hofkind
mit der Erzeugung von Lebensmitteln im Kleinen groß geworden bin.
Meine Mutter hat noch eingeweckt, sie war in der ländlichen Hauswirtschaft ausgebildet
und für mich war es deshalb schon als Kind ganz selbstverständlich, dass Lebensmittel
nicht einfach irgendwo im Regal entstehen, sondern dass dahinter Menschen stehen,
Arbeit, Zeit, Wissen und ganz viel Handwerk.
Und vielleicht hat mein Herz genau deshalb schon immer für liebevoll produzierte,
transparente und nachweislich wertig hergestellte Lebensmittel geschlagen.
Ich darf heute für viele Unternehmen arbeiten, die genau dafür stehen, und dafür
bin ich wirklich sehr dankbar, weil ich dadurch immer wieder mit Menschen in Kontakt
komme, die genau diese Haltung leben und nicht nur darüber sprechen.
Und trotzdem bin ich gestern wieder aus diesem kleinen Biomarkt gegangen und habe
gedacht: Wie wenig sind wir eigentlich bereit, für Lebensmittel auszugeben?
Und bevor jetzt jemand denkt, ich hätte die wirtschaftliche Situation der Menschen
nicht im Blick: Doch, natürlich sehe ich, dass es gerade für viele eine echte Hausnummer ist,
Lebensmittel zu bezahlen, Miete, Energie, Mobilität und all die anderen Dinge,
die in den letzten Jahren teurer geworden sind.
Aber wenn ich auf meine Reisen und meine Erfahrungen im Ausland zurückblicke,
habe ich schon sehr häufig erlebt, dass Lebensmittel dort einen ganz anderen
Stellenwert haben und dass Menschen teilweise sehr viel bewusster mit dem umgehen,
was sie essen und woher es kommt.
Und vielleicht geht es für mich deshalb auch gar nicht darum, dass jeder ausschließlich Bio kaufen muss.
Vielleicht geht es vielmehr darum, wieder einen persönlichen Bezug zu dem aufzubauen, was wir essen.
Vielleicht ist es der Landwirt direkt nebenan, der konventionell produziert,
bei dem ich aber weiß, wer er ist, wie er arbeitet und was er tut.
Vielleicht ist es der kleine Biomarkt im Ort, der seit Jahren mit voller Überzeugung geführt wird.
Vielleicht ist es ein regionaler Erzeuger, bei dem ich einfach Vertrauen habe.
Denn genau da beginnt für mich Resilienz.
Resilienz bedeutet für mich nicht nur, möglichst gut auf Krisen vorbereitet zu sein,
sondern auch zu wissen, was mir guttut, woher das kommt, was mich nährt,
und eine Verbindung zu den Menschen und Dingen zu haben, die mein Leben tatsächlich tragen.
Und dazu gehören für mich ganz wesentlich eine gesunde Ernährung,
ein gesunder Geist und ein gesunder Körper.
Vielleicht sollten wir uns deshalb gerade in Zeiten, in denen vieles schwieriger
und teurer wird, nicht nur fragen, wo wir noch etwas einsparen können,
sondern manchmal auch, wo es sich lohnt, ganz bewusst nicht zu sparen.
Denn unser Körper ist am Ende auch ein System, das Energie braucht.
Und vielleicht ist es gut, sich ab und zu daran zu erinnern,
welchen Treibstoff wir ihm eigentlich geben.