Wenn ich auf diese Woche zurückschaue, dann ist da vor allem eines, was bei mir hängen bleibt:
Wie viel Entwicklung eigentlich damit zu tun hat, dass wir bereit sind, uns selbst anzuschauen.
Ich hatte in dieser Woche mehrere Führungskräfte-Trainings.
„Vom Kollegen zum Vorgesetzten – Neu als Führungskraft“, Modul 1, und „Neu als Führungskraft“, Modul 2.
Und in Modul 2 hatte ich Teilnehmer vor mir, die bereits im ersten Modul dabei waren und die mir erzählt haben,
was seitdem bei ihnen passiert ist.
Eine Teilnehmerin sagte zu mir: „Ich konnte Dich im ersten Modul überhaupt nicht ausstehen.“
Und ich fand diese Aussage tatsächlich ziemlich gut.
Denn sie hat etwas sehr Ehrliches beschrieben.
Ich hatte Dinge angesprochen, die sie so in dieser Form noch nie gehört hatte.
Es ging um Dynamiken, Muster, Bindungs- und Entwicklungsdynamiken,
um Körperarbeit und vor allem um die Frage, was das alles mit Führung zu tun hat.
Und genau da sind wir für mich an einem ganz wesentlichen Punkt:
Führung beginnt bei uns und nicht im Außen.
Wir können das Außen nicht einfach verändern. Die Umstände sind zunächst einmal so,
wie sie sind. Und auch die Menschen, mit denen wir arbeiten, sind so, wie sie sind.
Was wir verändern können, ist unser eigenes Verhalten.
Unsere Wahrnehmung.
Unser Umgang mit uns selbst und damit natürlich auch unser Verhalten anderen gegenüber.
Und dadurch verändert sich dann auch etwas im Außen. Denn wenn ich mich anders verhalte,
kann mein Gegenüber nicht mehr genauso auf mich reagieren wie vorher.
Das bedeutet aber auch, dass Führungskräfte aushalten müssen, nicht immer gemocht zu werden.
Und genau das erzähle ich auch in meinen Trainings immer wieder.
Man muss als Führungskraft aushalten können, dass das, was man sagt oder tut, nicht jedem gefällt.
Und auch ich muss das als Sparringspartnerin aushalten.
Denn für mich bedeutet Coaching genau das: Sparringspartnerin zu sein.
Einen Spiegel hinzuhalten.
Dinge anzusprechen, die vielleicht gerade nicht angenehm sind.
Und einen Rahmen zu halten, auch wenn die Reaktion darauf zunächst einmal nicht „Hurra“ ist.
Das ist für mich Entwicklungsbegleitung.
Und dafür muss ich natürlich auch meine eigenen Dynamiken kennen.
Denn ich werde in meiner Arbeit selbst immer wieder damit konfrontiert.
Es gibt diese Momente, in denen das Gegenüber sehr fordernd ist.
In denen viele Dinge gleichzeitig kommen.
Und wenn ich eine Woche habe wie diese – jeden Tag unterwegs, längere Anreisen zu den Standorten,
acht Stunden im direkten Austausch als Sparringspartnerin und anschließend wieder nach Hause – dann ist das Leistungssport.
Wer glaubt, dass diese Arbeit einfach so nebenbei gemacht ist, macht sich meiner Meinung nach etwas vor.
Sie ist anstrengend.
Und sie ist gleichzeitig unglaublich erfüllend.
Denn dann kommt beim zweiten Treffen manchmal etwas zurück, womit ich gar nicht unbedingt gerechnet habe: Dankbarkeit.
Für das, was im ersten Moment vielleicht schwierig war.
Für das Aushalten des Rahmens. Für den Spiegel.
Für Dinge, die erst einmal unbequem waren und die dann doch etwas in Bewegung gebracht haben.
Und genau das ist für mich Veränderung.
Veränderung findet aus meiner Sicht grundsätzlich aus zwei Motiven statt:
Entweder ist das Neue attraktiv genug, dass ich mich dorthin entwickeln möchte. Oder das Alte fällt weg.
Beides bringt uns in Bewegung.
Und vielleicht ist genau das auch ein Punkt,
an dem ich den Unterschied zwischen Wissen und Entwicklungsbegleitung sehe.
Wissen ist heute jederzeit verfügbar. In rauen Mengen. Auch durch KI.
Aber Wissen allein verändert noch keinen Menschen.
Ich kann alles über Bindungsdynamiken lesen. Ich kann mir erklären lassen,
was Führung bedeutet. Ich kann mir Wissen über Kommunikation, Konflikte und Entwicklung aneignen.
Aber irgendwann braucht es jemanden, der mit mir hinschaut.
Der wahrnimmt, was gerade tatsächlich passiert.
Der einen Raum hält.
Der auch meine Reaktion aushält.
Der mir einen Spiegel hinhält.
Und der mich immer wieder zurückführt zu der Frage:
Was hat das eigentlich mit mir zu tun?
Das ist für mich die Aufgabe von Entwicklungsbegleitung.
Nicht noch mehr Wissen zu vermitteln.
Sondern Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten.
Und das beginnt – gerade in Führung – immer wieder bei uns selbst.