Ich glaube, wir erleben gerade eine besondere Zeit.
Nicht nur draußen. Sondern auch in uns.
Die Welt verändert sich. Vieles gerät in Bewegung. Und genau in diesen Momenten beginnt unser Verstand, sich an dem festzuhalten, was er kennt.
An unseren Rollen.
An unseren Geschichten.
An dem Bild, das wir von uns erschaffen haben.
Wir glauben, wir müssten all das bewahren.
Doch was, wenn genau das die größte Illusion ist?
In den letzten Wochen war ich viel mit Führungskräften auf der Altmühl.
Wir haben dem Verlauf des Wassers zugesehen und mussten immer wieder daran denken, wie sehr wir Menschen versuchen, gegen das Leben anzukämpfen.
Ein Fluss macht das nicht.
Er fließt. Er sucht nicht den schwersten Weg. Er sucht auch nicht den leichtesten. Er folgt einfach seiner Natur und vertraut.
Und wenn er irgendwann im Ozean ankommt, dann kämpft er nicht darum, sein Flussufer zu behalten.
Er verschmilzt.
Nicht, weil er verloren hat.
Sondern weil etwas Größeres entstehen darf.
Ich frage mich oft, was passieren würde, wenn wir aufhören würden, gegen die Strömung unseres eigenen Lebens anzukämpfen.
Wenn wir keine Angst mehr hätten, etwas zu verlieren.
Denn vielleicht verlieren wir gar nichts außer der Vorstellung davon, wer wir glauben zu sein.
Oftmals nimmt uns das Leben genau dann etwas.
Vielleicht eine Aufgabe. Eine Beziehung.
Eine Sicherheit oder sogar eine Identität.
Nicht immer, weil es uns etwas wegnehmen will.
Vielleicht möchte es uns einfach zeigen, dass wir viel mehr sind als das.
Immer wenn ich innerlich sage:
„Das darf nicht sein.“
„Das will ich nicht.“
„Das muss anders werden.“
…spüre ich, wie eng es wird.
Und genau diese Enge lässt mich nicht mehr neugierig sehen und erleben.
Erst wenn ich bereit bin zu fragen:
Was möchte mir das Leben gerade zeigen?
…öffnet sich wieder etwas.
Das, wovor wir solche Angst haben, es zu verlieren, sind wir meistens gar nicht. Es sind lediglich Erinnerungen, Prägungen, Meinungen oder
Geschichten.
Sie haben uns einmal gedient.
Aber sie sind nicht unser Wesen.
Unter all dem ist etwas, das nie verloren gehen kann.
Etwas, das keinen Schutz braucht. Unser Bewusstsein.
Und vielleicht geht es im Leben daher gar nicht darum, immer mehr zu werden.
Vielleicht geht es darum, immer mehr loszulassen.
Bis nur noch das übrig bleibt, was wir in Wahrheit schon immer waren.