Letzten Sommer habe ich mir etwas geschenkt, das im Alltag oft zu kurz kommt: echte Zeit mit mir selbst. Kein durchgetakteter Urlaub, keine Erwartungen, kein „Ich sollte noch…“. Stattdessen ein Campingplatz in Pappenheim, mein Campervan Dori – und mein kleiner Wohnwagen aus dem Jahr 1974, der für diesen Sommer zu einem ganz besonderen Ort wurde: meinem Coachingraum.
Was zunächst wie ein einfacher Ortswechsel wirkte, entpuppte sich schnell als etwas Tieferes: eine echte Begegnung. Mit mir selbst.
Ankommen – außen wie innen
Die ersten Tage waren ungewohnt still. Kein Lärm, keine Termine, keine Ablenkung. Nur das Rascheln der Bäume, das Zirpen der Grillen und meine eigenen Gedanken.
Und genau die wurden plötzlich laut.
Ich habe gemerkt, wie sehr ich daran gewöhnt bin, mich abzulenken. Wie selten ich wirklich hinhöre. Doch je länger ich blieb, desto mehr legte sich diese innere Unruhe. Ich kam an – nicht nur auf dem Campingplatz, sondern auch bei mir.
Mein Campervan Dori wurde zu meinem Rückzugsort. Mein kleiner, liebevoll gestalteter Wohnwagen zum Raum für Begegnung – mit anderen und mit mir selbst.
Im Fluss sein – im Außen wie im Innen
Was ich in diesem Sommer besonders geliebt habe – wie auch in den Jahren zuvor – waren die Momente auf dem Wasser.
Mit dem Kanu oder Kajak auf dem Fluss unterwegs zu sein, gemeinsam mit Menschen, die sich darauf eingelassen haben, langsamer zu werden. Den Fluss nicht nur zu befahren, sondern ihn wirklich zu erleben.
Ich habe es geliebt, ihnen das Altmühltal durch meine Augen zu zeigen. Die sanften Kurven des Wassers, die Felsen, die Weite, die Stille. Diese besondere Schönheit, die sich nicht aufdrängt, sondern entdeckt werden möchte.
Und da war noch mehr.
Das Gefühl, umgeben zu sein von etwas Ursprünglichem. Von Geschichte. Vom Wissen der Kelten, das in dieser Landschaft spürbar wird, wenn man still genug ist.
Auf dem Wasser wurde vieles klarer.
Denn im Fluss zu sein bedeutet nicht nur, sich treiben zu lassen – sondern sich selbst zu begegnen. Im Rhythmus der Bewegung. Im Gleichklang mit der Natur. Im Moment.
Allein – und doch verbunden
Allein zu reisen bedeutet nicht, einsam zu sein. Ganz im Gegenteil. Ohne die gewohnten Rollen und Erwartungen wurde ich offener. Gespräche entstanden leichter, ehrlicher, tiefer.
In meinem kleinen Coachingraum – diesem besonderen Wohnwagen mit Geschichte – durfte ich erleben, wie schnell echte Verbindung entsteht, wenn Raum da ist. Raum für Ehrlichkeit. Für Stille. Für das, was wirklich gesagt werden will.
Und gleichzeitig begegnete ich mir selbst auf eine neue Weise. Ich begann zu verstehen, was ich wirklich brauche – jenseits von To-do-Listen und äußeren Anforderungen.
Weniger ist mehr – eine ehrliche Erkenntnis
Ein besonders kraftvoller Moment dieses Sommers war die Erkenntnis, wie wenig ich eigentlich brauche.
Alles, was mich umgeben hat, war bewusst gewählt: ein paar Kleidungsstücke, einfache Mahlzeiten, Natur, Bewegung, Gespräche. Kein Überfluss, kein „für alle Fälle“, kein unnötiger Ballast.
Und genau darin lag eine große Klarheit.
Denn was ich im Sommer beim Camping nicht brauche, brauche ich oft auch im Alltag nicht.
Wie viele Dinge besitzen wir, die uns nicht wirklich dienen? Wie oft umgeben wir uns mit Dingen, die eher ablenken als bereichern? Dieser Sommer hat mir gezeigt, wie leicht sich Leben anfühlen kann, wenn wir reduzieren – nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.
Weniger Dinge bedeuten mehr Raum:
- für Gedanken
- für Gefühle
- für echte Begegnung
- für uns selbst
Was wirklich zählt
Dieser Sommer hat mir gezeigt, dass es oft weniger braucht, als wir denken:
- Zeit statt Tempo
- Ruhe statt Reizüberflutung
- Echtheit statt Perfektion
- Weniger Besitz, mehr Bewusstsein
Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse wieder wahrzunehmen. Zu spüren, wann ich Rückzug brauche – und wann Verbindung. Wann ich Stille suche – und wann Austausch.
Ein Gespräch, das nachwirkt
In meinem Podcast-Gespräch mit Jana Fiaccola haben wir genau darüber gesprochen: über das Alleinsein, über Selbstbegegnung und darüber, wie kraftvoll es sein kann, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen.
Es ging um Fragen wie:
- Was passiert, wenn wir uns nicht mehr ablenken?
- Warum fällt es uns oft so schwer, allein zu sein?
- Und wie können wir lernen, diese Zeit nicht nur auszuhalten, sondern zu genießen?
Und auch darum, wie befreiend es sein kann, sich von äußerem Ballast zu lösen – im Kopf wie im Leben.
Dieses Gespräch hat meine Erfahrungen noch einmal vertieft und in Worte gefasst, was ich auf dem Campingplatz oft nur fühlen konnte.
Die Verabredung mit mir selbst
Ich habe verstanden: Zeit mit sich selbst ist keine Lücke, die gefüllt werden muss. Sie ist ein Raum, der sich öffnen darf.
Eine Verabredung mit sich selbst braucht keinen perfekten Ort. Aber sie braucht Mut. Den Mut, hinzuschauen. Still zu werden. Ehrlich zu sein.
Pappenheim war für mich genau dieser Raum.
Mit Dori, meinem Campervan, meinem kleinen Wohnwagen aus 1974 – und ganz viel echtem Leben.
Und vielleicht ist es an der Zeit, dass auch du dich verabredest – mit der wichtigsten Person in deinem Leben: dir selbst.