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Wozu bleibe ich so, wie ich bin?

Früher habe ich mich oft gefragt: Warum bin ich so?

Warum bin ich so schnell erschöpft?

Warum ziehe ich mich zurück?

Warum fühle ich mich manchmal leer,

obwohl eigentlich alles in Ordnung sein müsste?

Heute stelle ich mir eine andere Frage — eine unbequemere, aber ehrlichere:

Wozu bleibe ich so, wie ich gerade bin?

Diese Frage verändert alles.

Mein Leiden hat eine Funktion.

So schwer es klingt:

Nicht jeder schmerzhafte Zustand ist nur ein Unglück, das mir widerfährt.

Manches in mir erfüllt einen Zweck.

 

Wenn ich sage „Ich bin erschöpft“,

dann schützt mich diese Erschöpfung vielleicht davor,

Erwartungen erfüllen zu müssen.

 

Wenn ich sage „Ich brauche niemanden“,

bewahrt mich dieser Satz möglicherweise davor,

verletzt zu werden.

 

Wenn ich mich zurückziehe, muss ich keine Ablehnung riskieren.

Plötzlich sehe ich: Mein Schmerz ist nicht nur Last.

Er ist auch Schutz. Eine Strategie. Ein vertrauter Ort.

Und manchmal fühlt sich vertrauter Schmerz sicherer an als unbekannte Freiheit.

Wer bin ich ohne meine Wunden?

Manche meiner alten Verletzungen sind Teil meiner Identität geworden.

Ich kenne Sätze wie:

  • Ich bin die, die übersehen wird.
  • Ich bin die, die „man“ nicht versteht.
  • Ich bin die, die allein klarkommen muss.

Diese Geschichten begleiten mich so lange,

dass ich sie fast für mein Wesen halte.

Doch wenn ich ehrlich bin, frage ich mich:

Wer wäre ich ohne diese Erzählungen?

Wenn der alte Schmerz plötzlich verschwinden würde — bliebe dann Leere?

Orientierungslosigkeit?

Oder vielleicht eine Freiheit, die mir Angst macht?

Freiheit bedeutet Verantwortung.

Und Verantwortung ist schwerer zu tragen als Selbstmitleid.

Die Rollen, die ich täglich spiele

Im Alltag funktioniere ich oft einfach.

Ich sage „Alles gut“, obwohl es in mir hohl klingt.

Ich lächle, obwohl mich etwas verletzt hat.

Ich nicke, obwohl ich widersprechen möchte.

Nach außen wirke ich angepasst. Pflegeleicht. Stabil.

Doch jedes Mal, wenn ich so tue, als wäre ich jemand anderes,

entferne ich mich ein Stück von mir selbst.

Unechtheit erschöpft. Nicht sofort, aber dauerhaft.

Irgendwann spüre ich: Ich verliere mich zwischen Erwartungen,

Höflichkeit und dem Wunsch, nicht anzuecken.

Die Angst entscheidet mit.

Ich hielt mich lange für vernünftig. Für rational. Für kontrolliert.

Doch wenn ich tiefer schaue, erkenne ich:

Viele meiner Entscheidungen entstehen aus Angst.

  • Angst vor Ablehnung.
  • Angst vor Konflikten.
  • Angst davor, nicht zu genügen.
  • Angst davor, wirklich gesehen zu werden.

Diese Angst beeinflusst:

  • welche Beziehungen ich eingehe
  • welche Chancen ich ablehne
  • wo ich mich anpasse
  • wann ich schweige

Solange ich meine Angst nicht anschaue,

lenkt sie mein Leben im Verborgenen.

Und ich drehe mich im Kreis.

 

Es ist leichter, beschäftigt zu sein, als ehrlich hinzusehen.

Leichter, sich abzulenken, als die eigene Leere zu spüren.

Leichter, stark zu wirken, als Verletzlichkeit zuzulassen.

 

Doch jedes Wegsehen hat einen Preis:

Ich entferne mich von meinem echten Selbst.

Wahrhaftig zu leben, bedeutet für mich inzwischen:

  • meine Traurigkeit nicht zu verstecken
  • meine Wut nicht wegzulächeln
  • meine Bedürfnisse ernst zu nehmen
  • Grenzen zu setzen, auch wenn andere irritiert sind

Ehrlichkeit mir selbst gegenüber ist unbequem — aber befreiend.

Also: Wer bin ich, wenn niemand hinschaut?

Diese Frage trifft mich am tiefsten.

 

Wer bin ich ohne Erwartungen? Ohne Applaus?

Ohne Bewertungen? Ohne die Rolle, die andere von mir kennen?

 

Wenn ich still werde und niemand etwas von mir will, bleibt nur eines:

Ich selbst.

Und dann erkenne ich:

Lebe ich wirklich mein eigenes Leben?

Oder versuche ich nur, „normal“ zu wirken, dazuzugehören und nicht aufzufallen?

 

Veränderung bedeutet für mich nicht mehr, jemand anderes zu werden.

Sondern Schritt für Schritt aufzuhören, jemand zu sein, der ich gar nicht bin.

 

Vielleicht besteht Heilung nicht darin, Schmerz sofort loszuwerden.

Vielleicht beginnt sie dort, wo ich ehrlich frage:

Wozu halte ich noch daran fest?

Und vielleicht wartet hinter dieser Frage

kein perfektes Glück — sondern etwas Echtes:

Innere Freiheit.

Selbstverantwortung.

Und die leise, kraftvolle Begegnung mit mir selbst.

 

Kunden lesen mein Buch

Wenn ich ein Buch in den Händen habe, verschlinge ich es regelrecht in kürzester Zeit, überfliege es oft. Bei diesem war es anders. Ich hab verhältnismäßig lange gebraucht, um es zu Ende zu lesen. Einfach deshalb, weil ich viele Sätze 2 bis 3 mal durchgelesen habe, um es auf mich wirken zu lassen. Daniela schafft es durch ihre ehrliche und authentische Schreibweise, das Erzählen ihrer eigenen Geschichte (ohne dabei die Schattenseiten auszulassen) sehr schnell eine Verbindung zum Leser aufzubauen.
Mittlerweile war ich 2 mal mit Daniela auf der Altmühl und bin jedes mal mit neuem Input und sehr gelöst heimgefahren.
Sie ermutigt jeden, mehr Achtsamkeit und „Herzehrlichkeit“ in das eigene Leben zu lassen.
Ich werde sicherlich noch öfter die einzelnen Kapitel des Buches lesen.

Sarrazin Coaching
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