Ein persönlicher Blick von Daniela Sarrazin
Vor einigen Monaten saß ich nach einer intensiven Coachingsession in meinem Büro und öffnete neugierig ChatGPT.
Ich wollte wissen: Würde eine KI ähnliche Fragen stellen wie ich? Würde sie vielleicht sogar besser strukturieren?
Die Antworten waren beeindruckend. Klar. Logisch. Schnell.
Und doch fehlte etwas.
Es fehlte der Moment, in dem mein Gegenüber plötzlich innehält.
Der Blick, der sich verändert.
Die kleine Pause, die mehr sagt als tausend Worte.
In diesem Moment wurde mir bewusst:
KI verändert mein Business – aber sie ersetzt nicht das, was Coaching für mich im Kern bedeutet.
Wenn Wissen jederzeit verfügbar ist
Als Coach – und als Mensch hinter Daniela Sarrazin – habe ich gelernt, dass Wissen heute kein Wettbewerbsvorteil mehr ist.
Meine Klient:innen kommen nicht zu mir, weil ich mehr Modelle kenne oder schneller recherchiere. Das könnte jede KI in Sekunden.
Sie kommen, weil sie Orientierung suchen.
Weil sie sich sortieren möchten.
Weil sie einen Raum brauchen, in dem sie laut denken dürfen.
KI liefert Antworten.
Aber Coaching beginnt oft dort, wo es keine schnellen Antworten gibt.
Der Moment zwischen den Worten
Ich erinnere mich an eine Führungskraft, die mir sagte:
„Ich weiß eigentlich, was ich tun sollte. Aber irgendetwas hält mich zurück.“
Eine KI hätte vielleicht Entscheidungsideen vorgeschlagen.
Pro-und-Contra-Listen erstellt.
Handlungsoptionen strukturiert.
Was in unserem Gespräch geschah, war etwas anderes.
Ich spürte das Zögern.
Ich nahm die Spannung wahr, als das Wort „Verantwortung“ fiel.
Ich fragte nicht nach der Strategie – sondern nach der Angst.
Und plötzlich ging es nicht mehr um eine Entscheidung.
Sondern um Identität.
Das ist der Unterschied.
KI als Co-Coach – nicht als Konkurrenz
Ich nutze KI inzwischen bewusst.
Für:
- Strukturierung von Gedanken
- Vorbereitung von Impulsfragen
- Zusammenfassung komplexer Themen
- Inspiration zwischen Sessions
Sie ist effizient. Und sie spart Zeit.
Doch im Coachingraum – ob online oder offline – zählt etwas anderes: Präsenz.
Während KI analysiert, halte ich den Raum.
Während KI Muster erkennt, spüre ich Dynamiken.
Während KI formuliert, begleite ich Veränderung.
Für mich ist KI kein Ersatz.
Sie ist ein Werkzeug.
Die neue Rolle von Coaches
Früher war Coaching oft auch Wissensvermittlung.
Heute ist es Prozessbegleitung.
Meine Aufgabe sehe ich nicht darin, Antworten zu geben.
Sondern darin, Klarheit entstehen zu lassen.
In einer Welt, die immer schneller wird, brauchen Menschen nicht noch mehr Information.
Sie brauchen:
- Orientierung
- Mut
- emotionale Stabilität
- Reflexionsräume
- echte Resonanz
Vielleicht wird genau das zum größten Wert in Zeiten von KI:
Menschlichkeit.
Eine Frage, die bleibt
Wird KI Coaching verändern?
Ja.
Wird sie Coaches ersetzen?
Davon bin ich nicht überzeugt.
Denn Transformation entsteht nicht durch perfekte Algorithmen.
Sondern durch Beziehung.
Und solange Menschen zweifeln, wachsen, fühlen und ringen –
wird es Räume brauchen, in denen sie genau das dürfen.
Das ist der Kern meiner Arbeit.
Und vielleicht heute wichtiger denn je.