Mich treibt seit mehreren Jahren der Gedanke um, beschützte Räume für wahre Begegnungen zu gestalten. Einen dieser Räume stellen meine Strategieteam-Meetings, welche ich bereits vor zwölf Jahren ins Leben gerufen habe, dar.
Ich erlebe immer wieder die Dankbarkeit meiner Teilnehmer, sowohl im Strategieteam wie auch in meinen Führungskräfteseminaren, sich wirklich mit allem zeigen und zumuten zu dürfen, denn dies ist oftmals an anderen Stellen nicht gewünscht. Doch wie kann ich mein Gegenüber erkennen, wenn sie oder er sich ständig hinter einer Rolle oder Maske versteckt. Es bleibt so viel unausgesprochen im Raum und entwickelt Mauern im Miteinander. So bleibt vieles ungesehen im Verborgenen und bekommt dadurch eine gewisse Dynamik. Sich wirklich zeigen zu können benötigt ein gemeinsames Commitment, nämlich jenes, sich nicht anzugreifen oder gar zu bewerten. Das klingt im ersten Moment vielleicht einfach, bedeutet aber gleichzeitig auch sehr viel Selbstverantwortung und Mut zur Begegnung.
Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Ansatz von Norbert Gopal Klein, dem ehrlichen Mitteilen. Anders als bei der Gewaltfreien Kommunikation wird hier nicht direkt auf das Verhalten des Gegenübers reagiert, sondern aus sich selbst heraus, unabhängig vom Gegenüber, mitgeteilt. So hilft das Modell dabei tiefere Beziehungen aufzubauen, indem Konflikte angesprochen werden können. Dabei legt das ehrliche Mitteilen einen starken Fokus auf spezielle Satzanfänge, um die drei Ebenen der Erfahrung – Körper, Emotion und Gedanken – zu kommunizieren. Indem wir diese Ebenen trennen und klar ausdrücken, können wir Distanz und Entfremdung in Beziehungen überwinden. Wenn wir unsere Gedanken und Gefühle teilen, ohne uns zu sehr mit ihnen zu identifizieren, können wir authentisch kommunizieren.
Ehrliches Mitteilen konzentriert sich auf den gegenwärtigen Moment und verfängt sich daher nicht in lange Geschichten und Erzählungen. Dabei treten wir durch die offene und ehrliche Kommunikation in einen viel tieferen Kontakt.
Solch authentische Kommunikation gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit. Und genau das braucht es gerade in unsicheren Zeiten. Wenn wir Verletzlichkeit zulassen und unsere Bedürfnisse und Emotionen ausdrücken, dann schaffen wir Raum für Verbindung und Verständnis. Und genau diese Qualität zeichnet aus meiner Sicht eine gute Führungskraft aus. Und diese Qualität wünsche ich mir auch bei meinen Lesungen, die künftig in eher kleineren Räumen stattfinden werden. Warum? Ich möchte mit dem Inhalt meines Buches einladen, sich zeigen zu dürfen, und zwar mit allem, was gesehen werden möchte. Es dürfen ehrliche und authentische Begegnungen stattfinden, in denen Menschen einander zuhören, um sich zu verstehen und nicht nur um zu antworten. Ich möchte einen Raum für Vielfalt schaffen, indem Unterschiedlichkeit begrüßt und nicht eingedämmt wird. Denn unsere Gesellschaft ist bunt und das ist auch gut so. Ich möchte mit diesen „beschützten Begegnungsräumen“ ein Zeichen setzen und zum gemeinsamen „nach Lösungen schauen“ einladen.
Lasst uns also gemeinsam Brücken bauen und keine Mauern errichten. Und die Zuversicht und Hoffnung nicht verlieren.
Denn, eine gute Zuversicht erkennt die Herausforderung und kümmert sich darum Sicherheit zu erschaffen und die richtigen Entscheidungen zu fällen, so dass wir unseren Weg weiter fortsetzen können, ohne uns zu gefährden. Wir erkennen also die Realität an und bleiben dennoch handlungsfähig. Ein gesunder Realismus kann die Brücke sein zwischen der inneren und äußeren Welt.
Ein realistischer Blick erlaubt es uns, unsere Emotionen und die Umstände anzuerkennen, ohne sie zu übertreiben oder sogar zu banalisieren. Ein gewisser Realismus ist daher wichtig unsere eigene Glaubwürdigkeit zu wahren und uns selbst ernst zu nehmen. Wenn wir uns immer wieder erzählen, dass alles okay ist, obwohl wir innerlich leiden, dann entsteht der innere Konflikt, der unser Vertrauen in uns selbst untergräbt. Genauso ist es auch, wenn wir in einer toxischen Negativität stecken. Um einen gesunden Realismus zu finden ist es hilfreich, wenn wir mit anderen Menschen sprechen. Das ist dann so eine Art Realitätscheck.
Meiner Meinung nach ist es superwichtig Raum und Kapazitäten für unsere Gefühle zu entwickeln, also Selbstregulation zu lernen. Und Wege zu finden um uns „uns selbst“ zuzuwenden, ohne uns selbst zu überfordern. Die Hinwendung zu unseren eigenen Gefühlen ohne Bewertung ist ein Schlüsselaspekt, den es zu üben gilt. Und es ist hilfreich, wenn wir „Mitgefühl für uns selbst“ praktizieren und liebevoll mit uns selbst sprechen lernen. Darüber hinaus kann „sich mit anderen austauschen“ auch zur Psychohygiene beitragen, denn alles, was ausgesprochen wird, verliert die Wucht und Dynamik nach innen und macht uns geistig freier.